I   SOLO WORKS

ASPHYXIE

drohender Erstickungstod bei ungenügender Sauerstoffzufuhr
Eine Musik-Kompositon + Akustik-Stereo-Performance für
eine Stimme, zwei Mikrofone und ein Backingtape (Stimme 2,3,4 / Atemsamples / Sirenensound)

Die Atmung steht nicht nur im Dienste des Gasaustausches und der Aufrechterhaltung des lebensnotwendigen Säure-Basen-Gleichgewichts. Sie unterliegt auch vielfältigen Einflüssen, z.B. wenn sich der Mensch bewegt, seine Aufmerksamkeit auf etwas lenkt, wenn er spricht und singt. Außerdem ist sie stark von emotionalen Faktoren abhängig.

Die Atmung führt zu stufenweiser Verbrennung von Kohlenstoff und Wasserstoff mit Hilfe von Sauerstoff. Es handelt sich um einen Energie liefernden, zum Leben notwendigen Vorgang.

Die Atmung wird in eine äußere und innere Atmung unterschieden.

Als äußere Atmung bezeichnen wir die Vorgänge in den Lungen, vielmehr die Aufnahme von Sauerstoff aus der eingeatmeten atmosphärischen Luft in das Blut und die Abgabe von Kohlendioxid aus dem venösen Blut in die Lungenbläschen.

Innere Atmung bedeutet dagegen die Aufnahme von Sauerstoff aus dem Blut in die Körperzellen und die Abgabe des Kohlendioxids von diesen in das Blut.

Der Gasaustausch in den Lungen würde unzureichend vor sich gehen, wenn nicht durch die Atembewegungen eine ausgiebige Lüftung der Lungenbläschen erfolgte, so daß die verbrauchte Luft durch Ausatmung herausbefördert und dann frische atmosphärische Luft zugeführt wird. Diesen Vorgang bezeichnen wir als Atemmechanik, der durch die Muskelarbeit (Zwischenrippenmuskeln, das Zwerchfell und die sog. Atemhilfmuskulatur) zustande kommt.

Die Atmung wird stark durch unsere Psyche beeinflußt. Bei starken psychischen Störungen kommt es zu krankhaften Veränderungen der Atmung, die bis zum Tode führen können. Wenn keine gleichmäßige Atmung mehr statt findet, schließlich kein Sauerstoff mehr aufgenommen wird hat das zur Folge, das man erstickt (Asphyxie).

In dieser Arbeit geht es um die Darstellung einer sog. „unbewußten Selbsttötung“ durch Erstickung. Es ist eine akustische und visuelle Darstellungsweise, die auf einer selbst entwickelten künstlerischen Methode basiert.

„ASPHYXIE“ ist eine Auseinandersetzung mit der Selbstunterdrückung eines Menschen, der sich während seines ganzen Lebens von allen äußeren Umständen so stark unbewußt negativ beeinflußen läßt, daß er davon lungenkrank wird und schließlich daran stirbt.

Christian Wolz arbeitet in diesem Werk mit 2 Mikrofonen (Stereo / 1. links und 2. rechts), die als Symbol für beide Lungenflügel stehen. Er arbeitet fast ausschließlich mit seiner Stimme, dem unmittelbarsten Instrument des menschlichen Körpers, das in erster Linie über Atmung funktioniert. Die Komposition wird in 3 Teilen konzipiert, die fließend ineinander übergehen. Der erste Teil ist die Darstellung von Kraft und Energie, die durch starke und laute Töne symbolisiert werden. Der zweite Teil stellt die Erkrankung dar, in dem streckenweise nur mit dem re. oder li. Mikrofon, aber auch mit beiden gleichzeitig (Lungenfunktionsstörungen – Ausfall eines Lungenflügels) gearbeitet wird. Der dritte Teil ist die akustische Simulation einer Erstickung, dargestellt durch leise, schleppende Töne und Vokalisen.Die diversen Stimmen und Klänge (Stimmsamples und Sirene) im Hintergrund stellen die unterschiedlichen Lebensumstände dar.

Uraufführung: 24. März 1995 Theater am Halleschen Ufer, Berlin