Rátarr

Im Jahr 2003 hat der Berliner Vokalkünstler Christian Wolz sein zehntes Album produziert.

Erstveröffentlichung: 22.12.2003

Er ist seit seinem ersten Album "El Castata" (1992) den Weg der Stimme konsequent weitergegangen. Wolz ist in der Klangwelt zuhause und ein Meister der Stimme. Glichen jedoch seine frühen Werke eher einer Teufelsaustreibung, so führt er uns hier mit sanfteren Tönen auf den Weg der Katharsis. Alle Dimensionen auch über Zeit und Raum hinaus stehen offen. Mal dringt ein sanfter Ruf durch kalte Klostermauern und es klingt als ob sein Widerhall fern vom Ursprung kommt. Dann zeigt Wolz uns wie die Erde 90% ihrer Geschichte verbrachte und führt uns in die Wüste. Dort fliegen seine Töne den feinsten Sandkörnern gleich auf ihre eigene Reise und nähren ferne Regenwälder. Wir bleiben am Boden und werden Teil von fremden und doch tief im Inneren vertrauter Rituale. Am Ende des Albums klärt sich der Horizont, der Reisende ist im hier und jetzt und damit in der Ewigkeit angekommen, die Ahnen singen immer noch.

Die Töne klingen mal arabisch, mal asiatisch. Mal fühlen wir uns hunderttausend Jahre alt, mal meinen wir Fanfaren aus dem Mittelalter wahrzunehmen, dann klingt moderne Klassik, Elektropop oder Technosound an. Hier wird frei geformt, hier ist jemand in seinem Element. Das Album überrascht ständig, so dass sich bald die Frage aufdrängt: Wo liegt dieser kosmische Spiralnebel, aus dem Wolz so unendlich schöpft?

Antje Grabenhorst




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